Die erreichten Rohwerte, also die absolute Anzahl der Graphemtreffer und getroffenen Lupenstellen, ändert sich nicht.
Es kann aber sein, dass sich mit den neuen Normwerten (Vergleichswerten) die Zuweisung des Prozentranges und des T-Wertes – also der soziale Vergleich – ändert.
Eine Neunormierung kann grundsätzlich dazu führen, dass dieselbe Testleistung – also derselbe Rohwert – einem anderen Prozentrang zugeordnet wird als nach der bisherigen Normierung. Wenn die Leistungen in der aktuellen Vergleichsgruppe im Durchschnitt niedriger liegen als in der Vergleichsgruppe der Normierung 2020/21, kann derselbe Rohwert zu einem höheren Prozentrang führen. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Rechtschreibkompetenz des betreffenden Kindes verändert hat. Verändert hat sich vielmehr der Bezugsmaßstab des sozialen Vergleichs.
Ein Prozentrang ist keine absolute Kompetenzangabe. Er gibt an, welchen Rang eine Leistung innerhalb einer bestimmten Vergleichsgruppe einnimmt. Ändert sich die Leistungsverteilung dieser Vergleichsgruppe, kann sich deshalb bei identischem Rohwert der Prozentrang ändern. Ein höherer Prozentrang nach der Neunormierung bedeutet daher nicht automatisch, dass das Kind besser schreibt als zuvor.
Für die Frage, was im Rechtschreibunterricht gefördert werden soll, kommt deshalb der kompetenzbezogenen Einordnung der erreichten Leistung besondere Bedeutung zu. Hier bieten die Kompetenzstufen der Rechtschreibung, die die HSP ausweist, eine differenzierte Orientierung.